Richard Wages
Auf dem Weg zum Virtuellen Echtzeit-Dramaturgen - Zur Formalisierung Dramaturgischer Prinzipien
Abstract: Interaktive digitale Produktionen mit Unterhaltungscharakter wie etwa Computerspiele lassen ganz allgemein eine ausgereifte dramaturgisch wirksame Strukturierung vermissen, wie sie uns aus klassischen Formaten wie Film oder Theater bekannt ist. Während Hardwaregeschwindigkeit und Bildqualität rasant und stetig ansteigen, treten interaktive Inszenierungen und Formate in Bezug auf ihre Fähigkeit, Konflikte verständlich zu machen und Situationen so dramatisch darzustellen, dass wir sie auch wirklich für uns annehmen, auf der Stelle. Begründet wird dies oft mit den Eingriffsmöglichkeiten des Rezipienten in das Geschehen und vielfach begegnen wir der Überzeugung, dass Interaktivität und Dramaturgie schlichtweg unvereinbar seinen. Wir werden in dieser Arbeit einen ersten Ansatz für einen Ausweg aus dem scheinbaren Dilemma beschreiben: die Schaffung einer in der laufenden digitalen Inszenierung moderierenden virtuellen Instanz - dem 'Virtuellen Echtzeit-Dramaturgen'. Dazu ist es nötig, dass wir eine uns relevant erscheinende Dramaturgieform bis zu einem Grad formalisieren, der uns eine Übertragung auf die Softwareebene erlaubt. Unser Vorgehen verdeutlichen wir an einem konkreten, implementierten Beispiel, einem Kameraagenten, der in der Lage ist, dramaturgisch stimmige Bildausschnitte in Echtzeit autonom zu wählen. Wir schließen mit einer Beschreibung der abweichenden Problemstellungen und Lösungsansätze bei zwei weiteren Dramaturgieformen, die sich für eine zukünftige Formalisierung anbieten.